Bleibt alles anders?

„Wenn die rücksichtslose Ausbeutung und Zerstörung der Erde weiterhin anhält, wird das Vor-Ort-Verbleiben immer weniger möglich sein. Vieles spricht dafür, dass wir in ein Zeitalter der Flucht eintreten, in dem an die Stelle der Sesshaftigkeit temporär begrenzte Aufenthalte in vorübergehend noch bewohnbaren Räumen treten werden. Auch die bisher vorherrschende Überzeugung in den reichen Ländern der Welt »Die Flüchtenden, das sind immer die anderen!« wird dann nicht mehr länger gelten. Vielmehr wäre klar: Die Flüchtenden – das sind wir selbst!“ (Martin Schroer, Philipps-Universität Marburg, in: DIE ZEIT+ 19.10.26)

„Ich habe nicht nur Glück gehabt, ich bin ein absolutes Glückskind! Ich hatte Glück, dass ich überhaupt gezeugt wurde, zwischen zwei Haftstrafen meines lieben Vaters, Glück, dass meine Mutter es im Bombenkrieg schaffte, mit mir auf dem Rücken zu überleben. Glück, dass ich eine Oma Meume hatte, Glück, dass ich mit sechzehn in die DDR ging. Glück, in den Sog des Berliner Ensembles zu geraten. Riesiges Glück, dass meine Lieder in der DDR verboten wurden, Glück, dass ich in die Demokratie des Westens geschmissen wurde. Riesenglück, dass ich 1983 die Frau gefunden habe, nach der ich so intensiv gesucht hatte: Pamela! Mein ganzes Leben hat sich durch sie geändert. Sie sehen: Ich bin kein Übertreiber, wenn ich sage, dass ich in all diesen Zeiten, die sehr bewegt waren und immer noch sind, bis jetzt immer großes Glück hatte.“ (Wolf Biermann (90) im Interview mit Giovanni di Lorenzo, ZEITmagazin Nr.42/2026)

„Was wahr ist, will GELERNT sein, es ist nicht einfach da, es erschließt sich nicht von selbst, was wahr ist, will entdeckt, befragt, begriffen, verstanden sein. Was wahr ist, versteht sich nur, indem gelernt wird, WARUM es wahr ist, was DAFÜR spricht, das es war sein könnte. Und was dafür spricht, dass es wahr sein könnte, lässt sich NUR verstehen, indem gefragt wird, was DAGEGEN SPRECHEN KÖNNTE. Das Nachdenken über das, was wahr ist, braucht den Zweifel, die Skepsis, braucht den Test der kritischen Befragung, ob die eigenen Annahmen, die eigenen Indizien, die eigenen Gründe wirklich taugen. WER NACHDENKEN WILL ÜBER DAS, WAS WAHR IST, BRAUCHT ALSO DEMUT. ( Carolin Emcke: Was wahr ist – Über Gewalt und Klima -Wuppertaler Poetikdozentur für faktuales Erzählen 2023)