Bleibt alles anders?

„Das Leben ist ständig im Fließen. Alles ist unbeständig, sagte der Buddha, und das heißt: Es gibt keine feststehenden Größen, es gibt nur ein unablässiges Werden, ein Sichverwandeln alles Seienden. Und wir fließen mit, sind selbst immerfort Werdende. Jeder von uns begreift, dass es das große Werden ist, das uns von der Geburt über die Jugend und mittleren Jahre in das Sterben trägt. Wir können uns dem Altwerden nicht widersetzen, auch wenn wir es noch so sehr wünschen würden. Aber auch jede unserer Fähigkeiten, jede menschliche Begegnung, jede Lebensform ist dem Werden unterworfen und muss, wenn das Leben die Konstellation verändert hat, aufgegeben und in Neues verwandelt werden.“ (Margrit Irgang: Wunderbare Unvollkommenheit, 2014)

„Die große Schwierigkeit besteht aus meiner Sicht darin, dass die Zukunft aufgehört hat, ein Projekt zu sein und zu einer Projektion geworden ist. Wenn wir über Zukunft sprechen, dann sprechen wir über Arithmetik – zum Beispiel, wie die durchschnittliche Temperatur in 50 Jahren sein wird. Das heißt, wir schreiben Trendlinien fort und leben eigentlich, wenn wir uns Zukunft imaginieren, nur noch von der Projektion dessen, was alt ist. Wir sind nicht mehr in der Lage, uns die Welt deutlich anders vorzustellen, als so, wie wir sie kennen.“ (Ivan Krastev: „Man erwartet eine Politik, die so schnell liefert wie Amazon“ – Philosophie Magazin newsletter 21.09.2026)